Das Wichtelbild --- Märchenhörspiel #76

Shownotes

Inhalt: Die Prinzessin meint, im Schlossgarten ein sonderbares Wesen gesehen zu haben. Der Prinz glaubt ihr kein Wort. Gemeinsam mit einem Verbündeten versucht sie, ihre Beobachtung zu beweisen. Doch es scheint, als wolle sich das geheimnisvolle Geschöpf nicht beweisen lassen. …

Mit den Stimmen von: Tabea Peitz (Prinzessin), Carsten Rückmann (Prinz), Stefan Nászay (Jäger) und Urs von Wulfen (Wichtel). Mit der Unterstützung von: Christoph Tiemann Musik: Oliver Geister Text und Produktion: Christian Peitz

Hintergrund: Dieses Hörspiel gehört zur Reihe „Märchen aus dem Bestiarium“ – Geschichten über geheimnisvolle Kreaturen. Hörspiele und ein virtuelles Bestiarium: www.maerchenwesen.de

Lust auf mehr? Wenn Dir dieses Märchen gefallen hat, hör auch Folge 40 - "Der Steinwichtel". Auch in dem Märchen hat eine Prinzessin ein Problem mit einem Wichtel …

Transkript anzeigen

00:00:00: Ein Märchen von Christian Peitz.

00:00:17: Es waren einmal ein Prinz und eine Prinzessin, die lebten in einem vornehmen Schloss in einer Provinz im Norden Lugaburgierens.

00:00:26: Hier war man einigermaßen zufrieden – und man gab sich Mühe mit den Entwicklungen im Landeschritt zu halten.

00:00:32: Beschlossen und verkündet!

00:00:34: Ein Bahnhof wird gebaut!

00:00:36: So bleiben wir mit den anderen Provinzen des Königreichs verbunden Und niemand soll denken, wir seien nicht modern.

00:00:43: Ein Bahnhof allein wird nicht

00:00:44: genügend!

00:00:45: Man wird auch Schienen brauchen.

00:00:47: Selbstredelt?

00:00:49: Der Schienbau hat längst begonnen.

00:00:52: Es geht ganz gut voran.

00:00:54: Wir müssen nur einen Bachlauf verändern und einen kleineren Wald.

00:00:59: nun ja abholzen.

00:01:01: Wäre das nicht anders gegangen.

00:01:03: die armen Tiere... Die

00:01:05: anderen Wälder sind groß genug Da passen die Tiere schon noch rein.

00:01:09: Während dem Prinzen, die Modernisierung ihrer Provinz gar nicht schnell genug gehen konnte... Nur

00:01:14: nicht den Anschluss verlieren!

00:01:15: ...hatte die Prinzessin oft andere Ansichten.

00:01:18: Der

00:01:18: Erhalt der Natur steht für mich über allem

00:01:21: Und wann immer sie mit dem Prinz aneinander geriet unternahm sie anschließend einen kleinen Spaziergang durch die Königliche Gartenanlage.

00:01:29: Sie erfreute sich an den Pflanzen An den so liebevoll angelegten Pfaden und an den Springbrunnen.

00:01:36: Wie wohltun das Pletschern des Wassers ist?

00:01:39: So beruhigend, unfriedlich.

00:01:42: Eines Tages ärgerte sie sich mal wieder sehr über den Prinzen.

00:01:46: Ein kluger Kopf hat den Fotoapparat erfunden.

00:01:50: Pinsel und Farben sind nicht mehr erforderlich.

00:01:53: Ich frage mich ob wir darüber einen Gesetz brauchen Also für die Fotografie Und gegen die Malerei.

00:02:01: Auf keinen Fall brauchen wie ein solches Gesetz.

00:02:04: Was wir brauchen ist Vielfalt

00:02:06: der Kunst!

00:02:07: Naja, wenn du meinst und ich dich damit glücklich machen kann...

00:02:12: Wieder einmal suchte die Prinzessin im Garten nach Ausgleich und Entspannung.

00:02:17: Ihr Lieblingsspringbrunnen hatte steinerne Kapfen aus deren Nündern das Wasser plätscherte.

00:02:23: Hier setze ich mich ein Moment auf die Bank in den Schatten.

00:02:26: Kaum hatte sie Platz genommen?

00:02:27: Hatte Sie den Eindruck etwas Sonderbares gesehen zu

00:02:30: haben?!

00:02:31: Was war das denn?

00:02:34: Ein Männlein?

00:02:36: Aufgeregt trat sie auf den Brunnen zu und schaute sich um.

00:02:40: Als sie aber nichts fand, lief sie zurück ins Schloss und trat in den Thronsaal.

00:02:47: Na mein Schatz!

00:02:48: Wie war es im Garten?

00:02:50: Es kann ja sein dass ich mich täusche Aber ich glaube Ich habe im Gaten bei einem der Springbrunnen ein kleines blaues Männchen gesehen.

00:02:58: Naja Das ist ganz einfach Du täuschst dich.

00:03:04: Es vergingen einige Tage und die Prinzessin hätte den Vorfall vielleicht vergessen und ihrem Prinzen am Ende recht gegeben, wenn sich ihre Beobachtung nicht wiederholt hätte.

00:03:13: Ich habe

00:03:14: das blaue Männlein widergesehen!

00:03:16: Er ist im Springengrund abgetaucht – ich habe mich

00:03:19: also nicht getäuscht!

00:03:20: Natürlich nicht Liebes!

00:03:23: Aber deine Fantasie wird dir da einfach einen Streich gespielt haben?

00:03:27: Das ist ja nichts Schlimm aber vielleicht bist du einfach ein bisschen überspannt...

00:03:32: Wie

00:03:33: bitte?!

00:03:34: Ich meine ja nur, wenn man Dinge sieht die gar nicht da sind... ...habe ich dir eigentlich schon den Entwurf für das Bahnhofsgebäude gezeigt?

00:03:45: Das konnte die Prinzessin natürlich nicht auf sich sitzen lassen und so versuchte sie den Prinzen davon zu überzeugen dass sie sich nicht geehrt hatte.

00:03:55: Schau mal!

00:03:56: Professor van Brömpel hat das Wesen in seinem Bestiarium beschrieben.

00:04:00: Genau das habe ich gesehen.

00:04:02: Was um Himmels will, soll dass denn sein?

00:04:05: Es handelt sich um den gemeinen lukabugischen Wasserwichtel!

00:04:10: Hier steht es sei noch nie jemandem gelungen einen zu fangen aber es hat schon einige Beobachtung gegeben besonders in der Nähe von Gebirgspechen.

00:04:19: Siehst du was denn eine Beobuchtung ist?

00:04:22: eine beobachtungs Aber kein Beweis.

00:04:25: so sieht es doch wohl aus.

00:04:28: Am nächsten Tag bestellte die Prinzessin einen Schmetterlingsjäger und beauftragte ihn damit den Wichtel zu fangen.

00:04:35: Wenn nichts anderes half, sollte der Prinz ihn eben mit eigenen Augen sehen.

00:04:40: Ja!

00:04:41: Mit diesem Casher wird es vielleicht gehen.

00:04:43: Ich muss allerdings vorausschicken dass die Schmetterningsjagd für mich lediglich ein Freizeitsvergnügen ist Denn eigentlich bin ich Fotograf.

00:04:53: Aber...ich

00:04:54: helfe natürlich gern.

00:04:56: Um welche Art Schmetterlingen handelt es sich denn?

00:04:59: Es ist kein Schmettering, den es zu fangen gilt.

00:05:02: Sondern der gemeine Luger Bugische Wasserwichtel!

00:05:05: Hier ist eine Zeichnung.

00:05:06: Ist er gefährlich?

00:05:08: Ich glaube nicht.

00:05:09: Na schön... ich werde es gerne versuchen muss aber vorausschicken dass ich mit Schmettelingen einfach mehr Erfahrung habe.

00:05:18: Der Schmetter-Linksjäger legte sich im Garten auf die Lauer und trieb sich Stunde um Stunde bei den Springbrunnen herum, die Brille auf der Nase und den Kescher fest in Händen.

00:05:29: Da ist er ja!

00:05:31: Ein Augenzwinkern später schnellte der Kescher durch die Luft.

00:05:45: Prinz und Prinzessin saßen im Thronsaal und tranken Tee.

00:05:48: Es war damals eine der wenigen Beschäftigungen, die ihnen noch gemeinsam und ohne Streit möglich war schwarzer

00:05:58: Tee, ein Hauchberger Motte und einen Schuss Milch.

00:06:01: Ein wahrhaft Königliches Vergnügen!

00:06:03: Da kann ich dir nur beipflichten.

00:06:09: Frau Pintaschen?

00:06:10: Ich bin...

00:06:13: sag mal mein Schatz wer ist das und warum kommt er so aufgeregt in den Thronseil gelaufen?

00:06:19: Das ist ein Schmetterlingsjäger.

00:06:21: Ich habe ihn beauftragt den Wasserwichtel zu fangen

00:06:24: Aber wie soll er denn etwas fangen dass es gar nicht

00:06:26: gibt?!

00:06:27: Ich habe ihnen aber auch gesehen beim Springbrunnen mit den Karfen.

00:06:33: Und er hat meinen Kescher verbogen, da ist ein Knoten im Stiel und das Netz ist durchgerissen!

00:06:43: Siehst du?

00:06:44: Das ist dann wohl Beweis genug.

00:06:46: Es könnte auch sein dass Einbildungen ansteckend sind.

00:06:51: Die Prinzessin begleitete den Schmetterlingsjäger zum Tor und drückte ihm etwas Geld in die Hand

00:06:58: Für ihre Mühe Und einen neuen Kescher.

00:07:01: Danke sehr!

00:07:03: Naja, ich würde Ihnen gerne einen Vorschlag unterbreiten?

00:07:09: Ja?

00:07:10: Also... Ich bin ja Fotograf von Beruf.

00:07:13: Ich könnte doch versuchen wenn ich den Wichtel schon nicht zu Fassen bekomme ihn zumindest zu fotografieren.

00:07:20: Eine gute Idee in doppelter Hinsicht.

00:07:23: Der Prinz ist sehr aufgeschlossen was das Fotografieren angeht.

00:07:27: Vielleicht kann ihm das überzeugen.

00:07:29: Damals waren die Fotokameras noch große unhandliche Holzkästen.

00:07:34: Der Schmetterlingsjäger stellte Seinen im Garten auf und steckte, damit er durch die Linse sehen konnte, seinen Kopf unter das auf der Kamera-Rückseite angebrachte Tuch.

00:07:45: Hoffentlich hält der Wichtel still!

00:07:47: Ich hasse nichts mehr als verwackelte Bilder.

00:07:50: Nun war einmal mehr Geduld gefragt.

00:07:53: Das

00:07:53: gehört bei der Fotografie ebenso dazu wie bei der Jagd auf seltenen Schmetterlinge.

00:07:58: Dann zeigte sich der Wichtel am Rande des Brunnens.

00:08:01: Ein derart interessantes Motiv findet man nicht alle Tage.

00:08:14: Zwei Tage später saßen Prinz und Prinzessin einmal mehr beim Tee zusammen, als der Schmitterlingsjäger in den Thronsaal trat.

00:08:28: Sie schon wieder?

00:08:30: Er hat ein Foto des Wasserwichtels gemacht um endlich für Klarheit zu sorgen!

00:08:34: Naja es gibt aber einen Problem... Der Wichtl ist auf dem Bild nicht zusehen nur der Springbrunnen.

00:08:43: Vermutlich liegt das daran, dass es den Wichtel nicht gibt.

00:08:47: Ich glaube, es hat mit Zauberheit

00:08:50: zu tun!

00:08:51: Na ja – die Welt wird zunehmend moderner.

00:08:54: Der alte Aberglaube wird mit der Zeit verschwinden...

00:08:57: ...aber der Wichtl war da!

00:08:59: Das ist einfach ungerecht!

00:09:00: Tröstet euch!

00:09:02: Die Fotografie des Springbrunns ist immerhin ganz hübsch.

00:09:06: Ich kaufe sie, wenn's recht ist.

00:09:07: Ein Diener brachte einen Rahmen und bald schon zierte das Bild den Schreibtisch des Prinzen im Thronsaal.

00:09:14: So kann ich dem Springbrunn jederzeit sehen ohne dafür in den Garten gehen zu müssen.

00:09:19: Das spart Zeit.

00:09:23: An diesem Abend ging die Prinzessin früh zu Bett.

00:09:26: Gute

00:09:26: Nacht!

00:09:27: Ja...das wünsche ich dir

00:09:30: Auch.

00:09:31: Wenn ich jetzt nicht besser wüsste könnte ich auf die Idee kommen.

00:09:34: Sie isst verärgert.

00:09:36: Der Prinz saß noch lange an seinem Schreibtisch und studierte im Kerzen, scheinen die Pläne für das Bahnhofsgebäude.

00:09:43: Auf einmal allerdings hörte er einen

00:09:45: Klopfen.

00:09:46: Wer auch immer Urheber dieses Geräusches ist, möge bitte sofort damit aufhören!

00:09:52: Ich kann so nicht arbeiten!

00:09:54: Doch das Klopffen war weiter hin zu hören, sodass dem Prinzen gar nichts anderes übrig blieb als dem Geräusch auf den Grund zu gehen.

00:10:01: Er hob also den Kopf und ließ aufmerksam den Blick wandern.

00:10:06: Es scheint vom Bilderrahmen zu kommen, ist er nicht mehr ganz in Ordnung?

00:10:10: Also drehte ihn der Prinz zur Kerze und traute seinen Augen nicht.

00:10:14: Der Wasserwichtel!

00:10:16: Auf dem gerahmten Bild war der Wichtel nun deutlich zusehen – und nicht nur das….

00:10:21: Er klopfte von innen an das Glas und winkte den Prinzen zu.

00:10:26: Was … ähm ... Was soll ich tun?

00:10:28: Der Wichtel zeigte nach oben, nach unten und dann zu beiden Seiten.

00:10:32: Ah

00:10:33: der Rahmen!

00:10:35: Stört sie der

00:10:36: Rahmen?!

00:10:37: Der Wichte nickte und der Prinz baute den Rahmen schließlich zögerlich auseinander.

00:10:42: Im nächsten Moment hüpfte der Wasserwichtel mit einem Satz aus dem Bild Und landete auf dem Schreibtisch Genauer gesagt auf dem Plan für den Bahnhof Den der Prinze vor sich ausgebreitet hatte.

00:10:54: Guten

00:10:54: Abend Kann ich... Können Sie?

00:10:59: Mit

00:10:59: diesen neumotischen

00:11:01: Fotoapparatten habe ich ein echtes Problem.

00:11:04: Da denkt du, die ist auf einmal in einem Bissang!

00:11:08: Mir ist dergleichen noch nie passiert.

00:11:11: Es mag daran liegen dass sie kein Wasserwichtel sind.

00:11:14: Das kann natürlich sein.

00:11:16: Übrigens muss sich nun doch noch meiner Frau recht geben.

00:11:19: Er scheint sie tatsächlich zu geben.

00:11:21: Es scheint!

00:11:23: Sie sind mir ja

00:11:24: ein sonderbarer Busche.

00:11:25: Einen schönen Tag noch.

00:11:27: und richten sie ihrer Frau

00:11:29: aus,

00:11:30: dass sie mich

00:11:30: weder

00:11:31: fangen noch fotografieren muss.

00:11:33: Es genügt, mich freundlich zu rufen!

00:11:38: Und schon im nächsten Moment war der Wichtel verschwunden zum Fenster hinaus auf und davon Der Prinz riep sich verwundert die Augen.

00:11:46: Damit

00:11:46: war kaum zu rechnen.

00:11:56: Nun war etwas erforderlich das der Prinz nicht besonders gut konnte und doch war es unumgänglich.

00:12:03: Da hast du doch recht gehabt!

00:12:06: Man erzählt sich, dass die Prinzessin drei Tage lang nicht mit ihm redete.

00:12:11: Das brachte ihn zum Nachdenken...

00:12:15: Was hältst Du davon wenn wir den gemeinen lukabugischen Wasserwichtel per Gesetz unter Naturschutz stellen?

00:12:23: Es soll verboten sein, ihn zu fangen, zu fotografieren oder im sonst ein Leid anzutun

00:12:30: Und es sollte verboten sein, den Lauf von Gebirgsbechens zugunsten der Eisenbahn zu verändern.

00:12:36: Das habe ich längst veranlasst!

00:12:38: Die Eisenbahn wird einen kleinen Umweg fahren...

00:12:42: das Gesetz wurde erlassen und wie man sich erzählt ist es immer noch gültig.

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